Die Geschichte der Capoeira

Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=frei&itemid=10222&bilderKatid=3660&page=2

Capoeira

Was ist Capoeira? Jeder Anfänger stellt sich die Frage, ob er es mit einem Kampfsport, mit einem Tanz oder mit Akrobatikübungen zu tun hat. Einerseits sieht man Tritte, die an Taekwondo erinnern, andererseits scheint es gewollt zu sein, sich nicht unmittelbar zu treffen. Außerdem erkennt man Bewegungen, die für einen Kampfsport scheinbar völlig fehl am Platz sind, wie die häufigen Handstände oder die bodennahen Techniken. Und wenn man jetzt noch feststellt, dass die Geschwindigkeit der Bewegungen im Zusammenhang mit dem Rhythmus der Instrumente steht, ist man so verwirrt, dass man zu polarisierten Schlüssen gelangt: Tanz! Kampfsport!

Der Begriff den die Capoeirstas, also diejenigen die Capoeira machen, benutzen, ist ein ganz anderer: Capoeira ist ein „Spiel“ (jogo). Es wird immer von zwei Leuten miteinander gespielt und besteht aus Angriffen und Ausweichbewegungen. Auf jede Attacke folgt eine Antwort, die idealerweise ebenfalls eine Abwehrbewegung beim Gegner hervorruft. Aus diesem für und wieder entsteht das „jogo di dentro“, das nahe und flüssige Spiel. Dabei müssen die Capoeirista zwei Dinge beachten: Erstens müssen die Angriffe platziert sein. Man tritt nicht willentlich am Gegner vorbei. Zweitens lässt man die Ausweichbewegung des Gegners zu. Das heißt man tritt nicht hinterher, hakt nicht nach, sondern startet einen neuen Angriff oder weicht wiederum aus. Man ist dann „besser“ in Capoeira, wenn man es schafft durch klug gesetzte Angriffe und Abwehrbewegungen dem Gegner die Bewegungsmöglichkeiten so einzuschränken, dass er „Schach-Matt“ gesetzt wird. Je mehr Tricks man kennt und richtig anwenden kann, die den Gegner verwirren und in die Enge treiben, desto mehr „malicia“ hat man, desto erfahrener wird man. Capoeira ist in diesem Sinn ein formalisierter Kampf.

Der Reiz der von diesem Sport ausgeht, ist einerseits die Ästhetik für die Zuschauer, andererseits die Mischung Kraft und Beweglichkeit für diejenigen, die den Sport betreiben. Durch viele Übungen auf Händen gewinnt man „Stützkraft“ und stärkt mit der Zeit die gesamte Torso-Muskulatur. Tritte und Beugen aller Art stärken die Beine in derselben Weise. Dazu kommt noch, dass durch die häufigen Lagenwechsel der Kreislauf gestärkt wird. Man kann ohne Zweifel behaupten, dass Capoeira zu den vielseitigsten Sportarten überhaupt gehört und den ganzen Körper beansprucht.

Quelle: http://www.joaogrande.org/mestre.htm

Mestre Pastinha

Über die Geschichte dieses Sportes gehen die Meinungen oft auseinander. Was allerdings von allen Seiten anerkannt ist, ist einerseits der brasilianische Ursprung und sind die Wurzeln im afrikanischen Tanz. Die erste Capoeira Version ist das sogenannte „Capoeira Angola“. Es zeichnet sich durch relative Langsamkeit, dadurch aber auch durch schwere Bewegungen aus, die technisch einwandfrei ausgeführt werden müssen. Andererseits kennt man die Weiterentwicklung unter dem Namen „Capoeira Regional“, die sich durch Schnelligkeit und Bewegungen aus anderen Kampfsportarten auszeichnet. Auch wenn Capoeira Regional für Zuschauer häufig unterhaltsamer ist, heißt dies nicht, dass es schwieriger als Capoeira Angola ist. Die Entscheidung, was besser gefällt, bleibt persönliches Urteil. Eine relativ neue Mischform beider Arten ist das „Capoeira Contemporânea“. Man kann behaupten, dass es beide Capoeira-Richtungen verbindet oder aber, dass es keine Richtung „richtig“ wiedergibt. Auch hier gehen die Meinungen auseinander.

Wie jede Sportart, so hat auch Capoeira ihre Koryphäen. Diese zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie den Sport entweder weiterverbreitet haben, oder weiterentwickelt haben. Die zweifelsohne berühmtesten Figuren sind Mestre Bimba (1899 – 1974) und Mestre Pastinha (1889-1981). Mestre Bimba formalisierte den Unterricht, führte sowohl Bewegungssequenzen für das Training ein, als auch die Graduierung (Gürtel). Er gilt als der Erfinder des „Capoeira Regional“. In der komplizierten Geschichte des Capoeira gab es eine Phase des Verbotes. Mestre Bimba überzeugte den damaligen brasilianischen Diktator Vargas, dass Capoeira unterrichtswürdig ist und eröffnete die erste Schule, genannt „Luta Regional Baiana“. Mestre Pastinha hingegen gilt als Begründer des Capoeira Angola. 1942 eröffnete er seine Schule „Centro Esportivo de Capoeira Angola“ in Bahia. Er verstand Capoeira als umfassende Lebenseinstellung und vertrat die Ansicht, dass sein Stil das wahre Capoeira sei.

Quelle: http://www.speedytown.com/index.php/2010/04/13/photo-manuel-dos-reis-machado-aka-mestre-bimba-master-of-capoeira/

Mestre Bimba

Die eben genannte Aufteilung der Capoeira-Stile hat hier ihren Ursprung. Dass Capoeira jedoch auch vorher schon als Kampf ausgeübt worden ist, sieht man an der gewichtigen Rollen die es in Bandenkriegen (Banden – Maltas) des vorletzten Jahrhunderts spielte, sowie in der Rekrutierung von Capoeiristas für den Krieg zwischen Brasilien und Paraguay (1865-1870). Insofern ist es plausibel zu behaupten, dass Capoeira aus einem reinen Kampf, mit der Zeit, eine gewisse Bändigung erfahren hat, die es mittlerweile so attraktiv macht, dass es in der ganzen Welt verbreitet ist.

Die Bonner Schule mit ihrem Mestre Indio gehört zum Verband von Schulen Capoeira Equilibrio (Grupo de Capoeira Equilibrio), die in Frankreich, Italien, Chile und natürlich in Brasilien ansässig sind. Sie wurde 1992 von Mestre Eduardo Storti in Santos (jetzt in Frankreich) gegründet.

Leider haben viele Interessente Angst, den Anforderungen dieses Sportes nicht gerecht zu werden. Durch die Formalisierung des Unterrichts und die langjährige Lehrerfahrung von Mestre Indio, wird jeder langsam an die Bewegungen gewöhnt und so trainiert, dass Muskelkraft und Beweglichkeit zum erforderlichen Maß zunehmen. (dw)